Strohelemente: Nachhaltiges Bauen mit regionalem Rohstoff

07. August 2026
Stroh als Baustoff? Was zunächst ungewöhnlich klingt, könnte künftig einen wichtigen Beitrag zum klimafreundlichen Bauen leisten. Das durch UNTERNEHMEN REVIER geförderte Projekt „Strohelemente“ zeigt, wie nachhaltiges Bauen künftig aussehen kann: Statt energieintensiver Baustoffe kommen vorgefertigte Wandelemente aus Stroh zum Einsatz. Der nachwachsende Rohstoff ist regional verfügbar, recycelbar und speichert CO₂.

Im Projektmittelpunkt stehen raumhohe Wandelemente aus hochverdichteten Strohballen. Diese werden von einem Holzrahmen eingefasst und mit Lehm- und Kalkputz versehen.  Die fertigen Elemente werden direkt auf die Baustelle geliefert und dort innerhalb kurzer Zeit wie große Bausteine miteinander verbunden. Das spart Zeit und macht nachhaltiges Bauen auch für größere Bauvorhaben attraktiver.

Neben den baulichen Vorteilen leisten die Elemente auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Das verwendete Stroh bindet während seines Wachstums CO₂ aus der Atmosphäre. Wird es anschließend als Baustoff eingesetzt, bleibt das Kohlendioxid dauerhaft im Material gebunden. Gebäude aus Strohelementen können so sogar als CO₂-Speicher wirken.

Strohelemente im Einsatz | © Pfennig Bau GmbH

„Ich kann inzwischen nachweisen, dass man auf diese Weise sogar CO₂-Speicher bauen kann“, erklärt Werner Ehrich, Dipl-Ing. der Architektur, Zimmermann und Inhaber der Strohelemente GmbH mit Sitz in Weißenfels. Er setzt das Projekt gemeinsam mit dem Verbundpartner Pfennig Bau GmbH & Co. KG aus Oschatz um.

Foto: Werner Ehrich | © Strohelemente GmbH

Gleichzeitig stärkt das Projekt die regionale Wertschöpfung. Das verwendete Stroh stammt von einem Landwirt aus Mitteldeutschland, auch der Lehm soll zukünftig regional bezogen werden. Dadurch bleiben Transportwege kurz und die Wertschöpfung in der Region.

Eine Weiterentwicklung des Strohbaus

Das Bauen mit Stroh wurde beispielsweise in Nordamerika bereits vor mehr als 100 Jahren praktiziert. Neu ist jedoch die industrielle Vorfertigung kompletter Wandelemente, die den Einsatz der Bauweise deutlich einfacher und wirtschaftlicher macht.

Der klassische Strohballenbau erfolgt überwiegend in Handarbeit auf der Baustelle und ist deshalb für größere Bauvorhaben nur eingeschränkt geeignet. Aus seinen Erfahrungen als Architekt und Zimmerer entwickelte Werner Ehrich deshalb die Idee, den Strohballenbau weiterzuentwickeln und stärker zu standardisieren. Statt einzelne Strohballen vor Ort zu verbauen, werden heute komplette Wandelemente in einer Produktionshalle unter kontrollierten Bedingungen vorgefertigt.

„Das Ziel ist, den Strohballenbau weiterzuentwickeln und perspektivisch in Richtung einer seriellen Fertigung zu bringen“, so Werner Ehrich weiter.

Die Vorfertigung bringt gleich mehrere Vorteile mit sich: Die Elemente werden mit hoher Maßgenauigkeit gefertigt und bereits mit Lehm- und Kalkputz versehen. Als geschlossenes Bauteil sind sie während der Bauphase deutlich besser vor Feuchtigkeit und Witterungseinflüssen geschützt. Gleichzeitig reduziert sich der handwerkliche Aufwand auf der Baustelle erheblich, da die Module nur noch aufgestellt und miteinander verbunden werden müssen.

Die Entwicklung einer neuen Bauweise erfordert nicht nur innovative Ideen, sondern auch die finanziellen Möglichkeiten, diese zu erproben und zur Marktreife zu bringen. Genau hier setzt UNTERNEHMEN REVIER an. „Ohne die Förderung hätte ich nicht angefangen“, sagt Werner Ehrich. „Das wirtschaftliche Risiko wäre einfach zu groß gewesen.“

Erste Projekte in Mitteldeutschland erfolgreich umgesetzt

Die neue Bauweise kommt inzwischen bereits in ersten Bauprojekten zum Einsatz. In Dresden entstand als Pilotbau ein Wohnhaus mit den neu entwickelten Strohelementen. Der Rohbau wurde innerhalb kurzer Zeit errichtet, aktuell läuft der Innenausbau.

Parallel dazu konnte im Rahmen des Projekts die eigene Produktionsanlage gemeinsam mit dem Verbundpartner Pfennig Bau und mit den Erkenntnissen aus dem Pilotbau weiter optimiert werden.

Ein weiteres Bauprojekt wird in Leipzig umgesetzt. Dort entsteht eine Doppelhaushälfte, die ebenfalls mit den vorgefertigten Strohelementen gebaut wird.

„Die Anlage funktioniert und die Elemente sind passgenau. Das ist einer der größten Erfolge des Projekts“, so Werner Ehrich.

Die positiven Erfahrungen aus Dresden und Leipzig sowie das wachsende Interesse aus Fachkreisen zeigen, dass nachhaltige Baustoffe und innovative Bauweisen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Förderung und Hintergrund

Das Projekt Strohelemente wurde im Rahmen des Bundesmodellvorhabens UNTERNEHMEN REVIER mit einer Fördersumme von 395.859 Euro gefördert. Mit dem Bundesmodellvorhaben UNTERNEHMEN REVIER leistet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gemeinsam mit regionalen Partnern einen aktiven Beitrag zum Strukturwandel in den deutschen Braunkohleregionen.

Im Mitteldeutschen Revier übernehmen der Burgenlandkreis und die Aufbauwerk Region Leipzig GmbH als Abwicklungspartner in enger Zusammenarbeit mit der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH als Regionalpartner eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des Förderprogramms.

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